Johann Baptist MODLER

Ein bayerischer Künstler des Rokoko

 

Bewundernd stehen viele Gäste des Innmarktes vor den herrlichen Stuckfassaden des Woerndlehauses, der Apotheke und des Schiffsmeisterhauses und fragen nach dem Schöpfer dieser Stuckverzierungen. Er heißt Johann Baptist Modler und ist einer der bedeutendsten Stuckateure, der vom Barock kam und das Rokoko in allen Ent- wicklungsstufen beherrschte und in Obernberg einen wesentlichen Teil seines Lebens verbrachte.


Johann Baptist Modler wurde als viertes und jüngstes Kind der angesehenen Tuchmacherfamilie Johann Adam Modler und seiner Ehefrau Regina in Hohenfels in der Oberpfalz geboren und am 30. Mai 1697 in der dortigen Pfarrkirche getauft. Er erlernte bei seinem Vater das Tuchmacherhandwerk. Da aller Wahrscheinlichkeit nach die älteren Brüder schon ihr Auskommen im väterlichen Betrieb finden mussten, war für einen dritten vermutlich keine Verdienstmöglichkeit am gleichen Platze gegeben. Diese Arbeit des Tuchmachers verlangte von ihm Farbensinn, Geschmack und Kenntnisse der Ornamente. Modler kam als Wandergeselle nach Obernberg, trat hier in die Dienste des Tuchmachers Josef Groll und heiratete am 11.Jänner 1729 dessen 19jährige Tochter Maria Theresia Groll. Sie schenkte ihm drei Söhne: Johann Casper Josef (1730), Melchior Georg Josef (1732) und Franz Josef Balthasar (1736). Als Paten für seine Kinder gewann er den angesehenen Rat und Apotheker Georg Franz Walter. 


Im Jahre 1736 verließ Modler, wahrscheinlich aus Raummangel, Obernberg und zog mit seiner Familie nach Kößlarn. Dort gebar ihm seine Gattin noch weitere acht Kinder. Die auftraggebenden Klöster Asbach, Fürstenzell und Aldersbach befanden sich auf dem linken Ufer des Inns, wo in den folgenden Jahren auch der Schwerpunkt seines Wirkens als Stuckateur lag. 

Meister Modler muss offenbar ein sehr religiöser Mann gewesen sein. 

Er hatte nicht nur seine erstgeborenen Söhne nach den Heiligen Drei Königen benannt, sondern auch das Haus des Apothekers mit einer herrlichen Madonnenfigur geschmückt und weitere drei seiner Töchter mit dem Zusatznamen Fides, Caritas, Spes (Glaube, Hoffnung, Liebe) versehen.


Modler konnte seine Familie auch in Kößlarn nicht durch seine Kunst allein ernähren. Seine Frau betrieb deshalb nebenbei eine Krämerei. Seine Arbeiten in Fürstenzell waren überschattet von 

den Auswirkungen des österreichischen Erbfolgekrieges. Sie brachten für die Familie Modler schwere Zeiten in Kößlarn, viel Drangsal und Not. In einem Gesuch aus dem Jahre 1745 schreibt der Meister Folgendes: "Zudem bin ich vor zwei Jahren schwerlich krank gewesen und in solch meiner Krankheit durch die feindlichen Truppen 10 mal geplündert und 4 mal aus dem Krankenbett gewalttätig herausgerissen worden, welcher Zustand mir Schrecken verursacht, dass ich über 6 Wochen gehörlos gewesen." Alle seine Werkzeuge, aber auch Aufzeichnungen über seine Arbeiten bis dorthin waren damit verloren gegangen.

Modler war gegen 1757 in Obernberg tätig und so entstanden in dieser Zeit die schönen Fassaden -Verzierungen der Häuser. Da inzwischen auch seine Söhne angesehene Künstler geworden waren, kann man annehmen, dass die Familie hier ein Zeugnis des 

Könnens geben wollte. Man nimmt auch an, dass das Haus des Apothekers zuerst verziert wurde, dann das Woerndlehaus, zuletzt das Schiffsmeisterhaus. 

Höhepunkt seines Schaffens war die Neue Residenz zu Passau. Im Jahre 1868 vernichtete mit vielen anderen Häusern eine Feuersbrunst auch das Modlersche Haus in Kößlarn. Die Front des Hauses war geschmückt mit Stuckarbeiten des Meisters, darstellend das Paradies mit Flüssen, Bäumen und Tieren und dem Sündenfall und zwar so meisterhaft, dass alle Leute stehen geblieben sein sollen, um sich das Kunstwerk zu betrachten. 

 

Modler starb am 11. November 1774 in Kößlarn im Alter von 77 Jahren. 

Johann Baptist Modler

Wörndlhaus und daneben die Apotheke 

Schiffmeisterhaus 

Treppenhaus in der Neuen Residenz Passau 

Treppenhaus Residenz Passau